„Einstellung von Lehrpersonen zur Förderung von Schülerinnen und Schüler mit Deutscher und nicht-Deutscher Erstsprache“

Wir haben in der Freinetgruppe viel Kritik an den Deutschklassen und den MIKA-Tests diskutiert und konkretisiert. Hier der Link zu einem Fragebogen eines Forschungsprojekts (umfangreicher Fragebogen!):

Die Bildungsdirektion für Wien genehmigt die Durchführung des Forschungsprojekts zum Thema „Einstellung von Lehrpersonen zur Förderung von Schülerinnen und Schüler mit Deutscher und nicht-Deutscher Erstsprache“ durch Frau Mag. Julia Kast, BEd.
Die wissenschaftliche Erhebung, die sich in Form einer Online-Befragung unter nachstehendem Link an Lehrpersonen richtet, darf nur unter der Voraussetzung, dass die am
Ende des Fragebogens von der teilnehmenden Lehrperson angegebene E-Mail – Adresse nicht mit den Antworten auf dem Fragebogen in Verbindung gebracht werden kann, in dem vorliegenden Umfang an allen Wiener Pflichtschulen durchgeführt werden.
https://forschungsprojekt-zlb.limequery.com/259241?lang=de

Stammtisch November (und Planung Dezember)

Liebe Freund*innen der Freinetpädagogik!

Beim nächsten Stammtisch im November am Donnerstag, 14. November 2019 gehen wir ins MUSA zur Ausstellung: 100 Jahre Rotes Wien (Achtung: Wir treffen uns schon um 16:30 im MUSA, 1010, Felderstraße 6-8, neben dem Rathaus)

Was haben die pädagogischen Reformen des Roten Wien und die Freinetpädagogik gemeinsam? Christian Dewald wird uns durch die Ausstellung begleiten. Er ist Kurator der Ausstellung und hat mehrere Jahre in der FA-Klasse, OVS 14. Zennerstraße, mitgearbeitet. Er wird uns speziell über die Wiener Schulreform und Parallelen zur Freinet-Pädagogik erzählen.

Für Donnerstag, den 12. Dezember 2019 planen wir das Siebdrucken ausprobieren. Wir treffen einander bei Claudia, um 19h. Ich gehe vor dem Stammtisch Siebdruckrahmen und Farben einkaufen. Wem ich einen Siebdruckrahmen mitnehmen kann (ca. 40€ mit Rakel, über den Warenkorb verrechenbar), sag es mir beim Novemberstammtisch oder schreib ein Mail an eva_neureiter@hotmail.com).

Liebe Grüße

Eva

Kinotipp: Systemsprenger

Claudia hat einen Kinotipp:

Systemsprenger“ heißt ein Film der deutschen Regisseurin Nora Fingscheidt, der derzeit in den heimischen Kinos läuft.

Die neunjährige Benni muss immer wieder zu neuen Pflegefamilien bzw. in neue Wohngruppen. Es gibt keinen Platz in ihrem Leben, an dem sie ausgehalten wird. Jede neue Chance, die sie erhält, macht sie mit unkontrollierten Impulsdurchbrüchen zunichte.

Und Benni selbst? Sie will nur bei ihrer Mutter sein. Doch die hat sie abgegeben, weil sie nicht mehr kann, sie fürchtet sich vor ihr und hält sie nicht aus. Auch das Jugendamt, das System, sind mit Benni heillos überfordert.

Der Film hat mich sehr berührt. Ich bin Lehrerin und arbeite in einer Förderklasse. Förderklassen sind Kleinklassen, die Kinder und Jugendliche betreuen, die sozial und/oder emotional so belastet sind, dass ein Verbleib in der Großgruppe nicht möglich ist.

Zu zweit versuchen wir Kindern wie Benni halt zu geben, ihre soziale Kompetenz zu verbessern, ihnen in der Schule einen Platz zu bieten, an dem sie zur Ruhe kommen können. In einem Schulsystem wie dem unseren ist das gar nicht so einfach. Leistung ist gefragt in unserer Zeit. Jede/r muss vom ersten Schultag an seinen/ihren Beitrag leisten. Anders sein könnte leistungswillige, leistungsfähige MitschülerInnen in ihrem Fortkommen bremsen. Das ist die Angst vieler Eltern, vieler LehrerInnen.

Also muss es aufhören – dieses anders sein. Das sehen auch die für Schule verantwortlichen PolitikerInnen so. Lösungen müssen gefunden werden. Sofort. Schnell. Und vor allem kostenneutral.

Täglicher Überlebenskampf

Während alle politisch Verantwortlichen fieberhaft überlegen, kämpfen täglich Benni, ihre LehrerInnen, Eltern/Betreuer und viele unbeteiligte Kinder buchstäblich ums Überleben im Klassenzimmer. Rufe nach Supportpersonal werden laut. Das verstehen die PolitikerInnen, das finden sie auch gut – nur leider kann sich das Bildungsressort diesen Support derzeit nicht oder nur völlig unzureichend leisten.

Aber sie präsentieren umgehend mögliche andere Lösungen:

  • Schluss mit der Kuschelpädagogik und den Reformen der letzten Jahre! Spätestens im zweiten Schuljahr müssen die Kinder wieder „ordentlich“ – mit Ziffernnoten – benotet werden. Damit sie und alle an der Erziehung beteiligten Menschen „objektiv“ feststellen können, ob die Leistung des Kindes entspricht oder nicht
  • Eltern müssen wieder mehr in die Verantwortung genommen werden! Und wenn sie diese nicht wahrnehmen wollen (oder können), dann werden Geldstrafen angedacht und auch verhängt. Das wirkt! Bestimmt! Strafen wirken!

Schulalltag

Doch all diese Maßnahmen lassen Benni in unseren Klassenzimmern kalt. Dabei ist sie gar nicht ignorant. Wer den Film sieht, merkt ganz schnell: Das Mädchen ist unglücklich! Sehr sogar! Sie möchte gefallen, „brav“ sein, geliebt werden. Und doch gelingt es ihr nicht. Sie ist gefangen in sich selbst, in ihren Verhaltensweisen. Was sie braucht sind Menschen, die ihr zur Seite stehen, Menschen, die sie begleiten und unterstützen – sie braucht Support.

Und da schließt sich der Kreis zum Schulalltag: In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die anders sind, die nicht so richtig dazu passen. Das kann kein wie auch immer geartetes Schulsystem verhindern. Wir LehrerInnen brauchen Unterstützung in Form von BeratungslehrerInnen, PsychagogInnen, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, TherapeutInnen oder einfach BetreuerInnen – um Kinder, die es brauchen, in ihrem Schulalltag zu unterstützen. Nur so können wir dazu beitragen, dass Schicksale, wie das von Benni, in unserer Gesellschaft minimiert werden. Kostenneutral wird das nicht gelingen, gewinnbringend wäre es für alle.

Wiener Schulmuseum (Einladung)

Liebe Freundinnen und Freunde!

Ich wollte schon länger Oskar Achs in seinem Wiener Schulmuseum im 22. Bezirk besuchen. (https://schulmuseum.schule.wien.at/) Jetzt ist dort zur Zeit (neben den Dauerausstellungen) eine Ausstellung „100 Jahre Wiener Schule“ zu sehen. (Die Vorgänger-Ausstellung über „Schule im Ersten Weltkrieg“ habe ich leider versäumt.) Die aktuelle Ausstellung könnte ja auch als Erinnerung an Schule und Pädagogik im „Roten Wien“ genommen werden. (Sie ist aber eher als „Leistungsschau“ mit den Stationen 1918, 1934, 1938, 1945, 1968 und 2018 konzipiert. Leider gibt es online keine genaueren Informationen. Aber es gibt ein 42seitige Broschüre.)

Ich habe folgenden Besuchstermin mit Oskar Achs ausgemacht:

Montag, 30.9., 15h im Schulmuseum in der ehemaligen VS Breitenlee, Breitenleerstr. 263. (s. Website)

Ihr seid herzlich eingeladen!

(Falls Ihr interessiert seid, bitte ich um eine kurze Meldung: freinet.central@gmx.at.)

Michael Sertl