Freinetpädagogik

  

  Freinetpädagogik: Den Kindern das Wort geben

Freinetpädagogik ist eine reformpädagogische Richtung, die in den 1920er Jahren von Celestin und Elise Freinet begründet wurde. Sie entwickelte sich zu einer weltweiten Bewegung. Durch regelmäßige Reflexion und Austausch auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene wird sie beständig weiterentwickelt..
Freinetpädagogik orientiert sich an bestimmten Grundprinzipien. Um diese Prinzipien zu verwirklichen sind eine Vielzahl an Arbeitstechniken entstanden, die je nach den individuellen Bedürfnissen der Gruppen, mit denen gearbeitet wird, unterschiedlich eingesetzt und angepasst werden.

Es ist eine Pädagogik für ALLE Kinder, unabhängig von besonderen Bedürfnissen, Entwicklungsstand oder sozialer Herkunft.

Prinzipien der Freinetpädagogik:

Tastendes Versuchen


„Am Anfang jeder Eroberung steht nicht das abstrakte Wissen, sondern die Erfahrung, die Übung und die Arbeit.“ (C. Freinet: Les Dits de Mathieu/ Die Sprüche des Mathieu,1967)

 Lernen ist in der Freinetpädagogik eine ganzheitliche Erfahrung, die von den Interessen der Kinder ausgeht. Die Fragen der Kinder sind Ausgangspunkt für Forschung und Experimente (und nicht die nächste Seite im Schulbuch). Die Kinder „tasten“ sich an Inhalte heran, versuchen Lösungen zu finden, Fragen zu beantworten. Sie bestimmen selbst wie und mit wem sie Themen bearbeiten, die sie selbst gewählt haben. Dabei sollen sie Wege gehen, die ihnen sinnvoll erscheinen, auch wenn diese für uns Erwachsene oft unlogisch oder kompliziert aussehen.

 

 

Freier Ausdruck/  Freie Entfaltung der Persönlichkeit

„Der freie Ausdruck ist die Veräußerlichung dessen, was im Kind ist“ … oder …“die Offenbarung des Lebens selbst.“ (Elise Freinet: Erziehung ohne Zwang, 1981)

Freier Ausdruck ist vielfältig: er meint mündliche und schriftliche Formen des sprachlichen Ausdrucks (Gesprächsrunden, Theater, Rollenspiele, Klassenzeitungen, Tagebücher, Wandzeitungen,…), auch schöpferischen Umgang mit Materialien, bildnerische, musikalische und mathematische Kreationen, er vollzieht sich in naturwissenschaftlichen und technischen Experimenten, im Erkunden der Umgebung, etc.
Der Freie Ausdruck ist eine Möglichkeit für das Kind, sein Gefühlsleben zu artikulieren, es bewusst zu machen und in einer angemessenen Weise zu bearbeiten und somit wesentlich für die Persönlichkeitsentwicklung.

Freier Ausdruck muss immer stattfinden dürfen. Es genügt, wenn wir dem Freien Ausdruck unvoreingenommene Aufmerksamkeit schenken. Seine Beachtung ist Ausdruck der Wertschätzung des Kindes.

Demokratie

„Die Demokratie von morgen wird durch die Demokratie in der Schule vorbereitet. Ein autoritäres Regime in der Schule kann keine demokratischen Bürger heranbilden.“
(C.Freinet: Pädagogische Werke, Teil 2, 2000 Schönigh, Invariante 27)

In der Freinet-Gruppe arbeiten nicht isolierte Individuen nebeneinander, sondern Menschen lernen miteinander und voneinander.

Ein zentrales Element der Freinetpädagogik ist der Klassenrat. Er dient der Organisation des Zusammenlebens in der Klasse, es werden Vorhaben besprochen und abgestimmt, Konflikte bearbeitet und nach Lösungen gesucht,…

Den Klassenrat leitet ein Kind, eine PädagogIn führt das Protokoll. Der Klassenrat findet 1x in der Woche statt. Im Laufe der Woche werden Themen, die die Kinder im Klassenrat behandeln wollen, an der Wandzeitung gesammelt.

JedeR hat das Recht gehört zu werden, mitzureden; PädagogInnen und Kinder haben das gleiche Stimmrecht bei Abstimmungen.

Rolle der PädagogInnen

„Kinder sind keine unfertigen Erwachsenen, sondern in jeder Phase ihres Lebens eigenständige Persönlichkeiten.“(Elisabeth Suttner, Wien)

Ausgehend von der Überzeugung, dass jedes Kind von sich aus lernen will, besteht das Vertrauen, dass jedes Kind unabhängig von Alter oder Entwicklungsstand unter entsprechenden Rahmenbedingungen seine Lernprozesse selbst gestalten kann. Es findet Wege Probleme zu lösen, wenn ihm die Zeit dazu gelassen wird und das in einer anerkennenden Atmosphäre geschieht.

Die PädagogInnen verstehen sich als möglichst gleichberechtigte PartnerInnen (sie/er hat z.B. die gleiche Stimme im Klassenrat wie die Kinder). Sie begleiten und unterstützen die Kinder in ihrem Tun, in ihrer Entwicklung. Sie helfen, offene Fragen zu formulieren, koordinieren das Geschehen und bewahren den Überblick.

„Um diese Prinzipien verwirklichen zu können wurden in der Freinetpädagogik eine Fülle von Techniken, Methoden und Arbeitsmittel entwickelt.

Die wichtigsten sind:

  • Klassenrat,
  • Klassen- und individueller Arbeitsplan,
  • Dokumentation der geleisteten Arbeit,
  • Freier Ausdruck und natürliche Methode,
  • Druckerei, Klassenzeitung, Korrespondenz,
  • Arbeitsateliers, Arbeitsbibliothek und Schülerarbeitskarteien (anstelle von Schulbüchern),
  • Erkundungen und Untersuchungen außerhalb des Klassenraumes.“  (Glänzel, H.: Über den Zusammenhang zwischen pädagogischen Zielen und Realität im Unterrichtsalltag. http://freinet.paed.com/freinet/fpaed.php 31.8.2010)
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6 Kommentare zu “Freinetpädagogik

  1. ich bin an der pht innsbruck für die lehrerfortbildung zuständig und würde gerne die ansätze und möglichkeiten der freinetpädagogik als alternative möglichkeit in einem seminar anbieten. auch interessant für integrationsklassen bzw. inklusionsklassen.
    können sie mir referenten empfehlen?

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