Stellungnahme zum Entwurf des Bildungsreformgesetzes 2017

Die Generalversammlung der Kooperative Freinet Österreich hat am Ostertreffen 2017 in Bad Goisern folgende Stellungnahme zum Entwurf des Bildungsreformgesetzes 2017 beschlossen:

Stellungnahme – Autonomie

Am 30. April 2017 haben wir folgende Antwort aus dem Büro von Sektionschef Kurt Nekula, M.A., Leiter der Sektion I, Allgemeinbildung, Bundesministerium für Bildung, zu unserer Stellungnahme bekommen:

Antwort des Bundesministeriums für Bildung zu unserer Stellungnahme gegen das sogenannte Autonomiepaket (Bildungsreformgesetz 2017)

Stammtisch im April entfällt, Stammtisch im Mai: Organisation

Im April gibt es keinen Stammtisch in Wien, weil viele Wiener FreinetpädagogInnen am österreichweiten  Freinet Ostertreffen in Oberösterreich teilnehmen.

Der nächste Stammtisch ist am 11. Mai. Wir treffen einander um 19h im Amerlinghaus und werden mit der Planung des Ostertreffens 2019 beginnen (in 2 Jahren organisiert die Wiener Freinetgruppe wieder das österreichweite Treffen (Fachtagung) am Beginn der Osterferien).

Stammtisch Februar 16.2.2017, 19:00 Uhr

„Demokratie und pädagogische Rechte“

Enhancement-Bildung, Inclusion-Inkludiert-Sein, Participation-Partizipation
(siehe auch den Artikel im Anhang)
…“ Sowohl die Tatsache, dass die Schule soziale Ungleichheiten reproduziert, als auch die Art und Weise, wie sie es tut, deuten darauf hin, dass es der Schule nicht gelingt, die Bedingungen für eine ‚funktionierende‘ Demokratie zu schaffen. …“

Impulsreferat und Diskussion mit Michael Sertl (Soziologe)
16.2.2017 um 19:00 Uhr im Amerlinghaus, Stiftgasse (den „Freinetgruppe Wien“ Schildern folgen, dann findest du uns!)
ich freue mich auf einen anregenden Abend
lg Wanda
Hier geht es zum Artikel….

Wiener Mehrstufenklassen in Gefahr?

Durch  die aktuelle Bildungsreform (und das Auslaufen von Schulversuchen) sind die Wiener Mehrstufenklassen, in denen viel von uns arbeiten, in Gefahr. Dazu ein Text von Werner Mayer, einer von Luzia Bäck und einer von Christian Schreger:

Zur Zukunft der Wiener Mehrstufenklassen- ein Artikel von Werner Mayer

Zwei grundlegende Aspekte:
1) Die Wiener Mehrstufenklassen haben die Vorgaben der aktuellen Bildungsreform im Bereich der Grundschule in vollem Umfang erfüllt und das seitgut zwanzig Jahren.
Die bisherveröffentlichten Texte zur Bildungsreform stellen Individualisierung und
Kompetenzorientierung in den Mittelpunkt, räumen autonomer Organisation der Stufengliederung Raum ein und gewähren Freiheit der Leistungsbeurteilung. Gut. Aber wirklich nicht neu.
2) Die Wiener Mehrstufenklassen können nach zwei Dezennien im Stadium des Schulversuchs in das Regelschulwesen übergehen.
Können. Müssen nicht. (…)

msk-text-werner-mayer

Wien, 22. Jänner 2017
Werner Mayer
Ehemaliger Schulleiter der VS 15, Ortnergasse 4, deren Mehrstufenklasse zu den ersten in Wien zählt,und derzeit Mitglied der Forschungsgruppe Literalität und Mehrsprachigkeit am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien, lange Zeit auch in der Freinetgruppe Wien aktiv.

 

Kommen Mehrstufenklassen durch die Schulautonomie unter die Räder?- ein Artikel von Luzia BäckSchulautonomie könnte paradoxe Auswirkungen zeitigen

Seit 1997 gibt es Mehrstufenklassen mit Reformpädagogischem Schwerpunkt in Wiener Pflichtschulen. Zum größten Teil im VS Bereich und zum größten Teil mit dezidiert inklusivem Ansatz.

Vereinzelt wagten sich LehrerInnen auch in den Sekundarbereich vor. Vorwagen – das war von jeher die Devise der Mehrstufenklassen. Sie entstanden als „Schulentwicklung von unten“, also initiiert von LehrerInnen, deren Horizont über den schulischen Tellerrand hinaus reichte. Nicht selten waren es Menschen, die sich eingehend mit Reformpädagogik , wie Freinet-Pädagogik, oder Montessori Pädagogik auseinander gesetzt hatten.

msk-und-schulautonomie

Luzia Bäck

Gründungsmitglied der MSK Wien, Psychotherapeutin, arbeitet in einer MSK an der ILB im Sekundarbereich, ebenso lange Zeit auch in der Freinetgruppe Wien aktiv

Wiener Mehrstufenklassen – wegreformiert-  ein Artikel von Christian Schreger

Die Wiener Mehrstufenklassen stehen nach knapp 20 Jahren höchst erfolgreicher Arbeit vor dem AUS.
Die Bildungsreform sieht das Auslaufen aller Schulversuche mit dem 1. September 2017 vor, davon sind
auch die Wiener MSKs betroffen, die aus dem Titel des Schulversuchs ihre Teamlehrer_innenstunden und
ihren Zusatzraum erhalten.
Verwirrend ist die Tatsache, dass in der Regierungsvorlage zur Bildungsreform praktisch alle von den
wMSKs eingeführten pädagogischen Konzepte als innovative Vorhaben der Bildungsreform präsentiert
werden und zugleich die Deckelung der Zahl der wMSKs, die aus dem Status als Schulversuch stammt, in die
schulautonome Entscheidung der Direktor_innen übergeben wird.
Dabei wird jedoch übersehen, dass die Bildungsreform die Einführung von Abteilungsunterrichtsklassen mit
dem Namen „Mehrstufenklassen“ behübscht.
Solche Abteilungsklassen sind vor allem aus ländlichen Regionen bekannt,…

wiener-mehrstufenklassen_schreger

Christian Schreger,

Msk-Lehrer ins Wien und ebenso langjähriges, aktives Mitglied der Freinetgruppe Wien

Stammtisch Jänner: Mieze Medusa

sam_5946Am kommenden Donnerstag, Do., 12. Jänner 2017, treffen wir uns um 19 Uhr zum Jänner-Stammtisch mit einem Workshop mit Mieze Medusa. Wir möchten gerne Poetry-Slammen lernen.

> Anmeldung unbedingt erforderlich!

 

Wir hatten einen spannenden Abend! Von den TeulnehmerInnen gibt es einige Textbeispiele und zwei pädagogische Eindrücke.

Das war Mieze (von Ilka):

OJE

Oje Spinat,

Oje, alles überall

Oje blau

Oje, ha!

Nachgefragt: ergibt es türkis:

Meine Lichtmaschine ist überall

 

5 Wörter -1 ½ Minuten

fieberhaft arbeiten

fieberhaft denken

fieberhaft…..

Ich hab Fieber

Horizont

Horizon war mein zweites Auto

Horizontal

Horror

Am Horizont verschwindet…..alles

R

au

ch

p

aus

e

Ich brauch keine Rauchpause!

Der Tag war Katzenkacke.

Das Gespräch war Katzenkacke.

Zuhause im Katzenklo ist auch……

….und dann

sehe ich den Mond?

den Mind?

den Mand?

Ich hab es eilig (von Inge)

Ich habe es eilig. Ich habe es eilig! Eilig! Fieberhaft habe ich gesucht und gesucht. Wahnsinn, gestern hatte ich sie noch, meine Schuhe. Wo sind sie hingekommen? Ich habe sie ausgezogen und jetzt weiß ich nicht mehr wo. Ich habe es eilig. Fieberhaft suchen ist ein schrecklicher Zustand: heiß im Kopf, klamm in den Finger, eingeschränkt im Gesichtsfeld. Der Horizont ist verschoben, er kippt oder kippe ich? Dort, weit weg ist die scheinbare Linie, aber dahinter ist weites Land und ein neuer Horizont und Meer und noch mehr Meer und noch mehr Land. Und stetig entfernt er sich von mir. Pause machen in der Suche. Eine Rauchpause rettet mich jetzt. Zu mir kommen, nur an mich denken, nicht in die Ferne schauen, sondern ganz bei mir sein, in der Mitte sein, zentriert sein, die Gedanken bündeln. Rauchpause. Rauch einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen, ein-at-men? Ein-at-men … Es stinkt. Es stinkt gewaltig. Es stinkt nach Katzenkacke. Katzenkacke stinkt, und wie! Die Katzenkacke ärgert mich. Schon wieder was, was frau wegräumen muss. Du blöde Katze kack’ ins Kisterl! Mittlerweile ist der Mond aufgegangen und ich jage die Katze hinaus. Sie soll draußem kacken und miauen und Mäuse fangen. Meine Schuhe hat sie wohl auch verschleppt bis hinter den Horizont. Da kann ich noch so fieberhaft suchen.

(Die fünf fett gedruckten Wörter sind (in der Reihenfolge des Erscheinens im Text) erst unmittelbar nach dem vorherigen Wort aufgedeckt worden. Nach der Nennung eines Wortes waren 1 ½ Minuten Zeit, das genannte Wort schreibend in einen Text einzubauen. Insgesamt wurde der Text in gestoppten sieben Minuten geschrieben; beim Abtippen habe ich ihn geringfügig verändert.)

von Martina:

Der Spinat wird gezwungen im Teller zu liegen,
obwohl die anderen irgendwohin fliegen.
Gran Canaria mit der Frau vom Klaus…
Ha! Scheiße sieht anders aus…
Oja, der Spinat wird gezwungen im Teller zu liegen,
obwohl die anderen irgendwohin fliegen.
Petra Fällt der Motor aus…
Nein, Sonnenschein sieht anders aus…
Der Spinat wird gezwungen im Teller zu liegen,
obwohl die anderen irgendwohin fliegen.

Fieberhaft wird im Geschäft
gestanden und er-
standen wir nicht im Geschäft,
fiebern dem entkommen entgegen.
Fieber bekommen hingegen
bringen das Geschäft zum Erliegen.
Horizont könnt näher sein
Horizont könnt grüner sein
Horizont am Meer
Horizont am Strand
Horizont auf der Mahü?
Rauchpause, Blaupause,
Brettljause, zu Hause, Brause
sauschön
Katzenkacke putz ich hinterher
Warum fällt der Katze Klo-gehen so schwer?
Statt dem Schnee find sie den Teppich so schä?
Mond heute voll
Mond morgen weniger
Mond und so weiter
Mond bald leer
Mond wird wieder mehr
-fieberhaft hin oder her

Pädagogische Eindrücke

Gute Stilmittel sind (Mitschrift von Miezes Kommentaren):

  • Fragen im Text
  • Befehlsformen
  • Wörter mit gleichem Anlaut
  • Am Ende wieder den Anfang dazunehmen
  • Oft ist es gut, die letzt geschriebene Zeile wieder wegzunehmen
  • Alltagsphrasen
  • Reime nicht betonen
  • Listenreim
  • Wiederholungen
  • ein Wort verändern
  • Pause nicht beim Punkt setzen (Z.B. immer nach dem fünften Wort)
  • Redepausen
  • Satz nicht beenden
  • ungewöhnliche Grammatikformen
  • Grammatik falsch verwenden

Wenn einem nichts einfällt:

  • Wörter aus dem Wörterbuch abschreiben
  • Vor sich hinschreiben, mindestens bla, bla,bla
  • Papierrollen
  • für einen Menschen oder einen Gegenstand schreiben 

    von Ilka

 

Poetry Slam Workshop mit Mietze Medusa am 12. Jänner 2017 im Amerlinghaus, Wien

Die MitgliederInnen der Freinet-Gruppe-Wien treffen sich monatlich zu kleinen, aber feinen selbstorganisierten Events. Vor Weihnachten wurden kleine Büchlein gebastelt, beim Jännertreff haben wir uns neue Anregungen fürs Freie Schreiben geholt.

Mietze Medusa – wenn sie nicht so jung und agil wäre, müsste man sie Grand Dame des Poetry Slams in Österreich nennen – hat uns zum Schreiben gebracht. Sie hat uns das Gefühl gegeben, dass das, was wir geschrieben haben, gut und einzigartig ist, sie hat unsere Texte analysiert und uns ein paar dichterische und präsentatorische Tipps gegeben.

Schreiben, im Sinne von Text erstellen, im Sinne von Aussagen machen, im Sinne von Formulieren und Fabulieren ist einer der wesentlichen Prinzipien der Freinet-Pädagogik. In den Klassen, in denen die SchülerInnen gewöhnt sind, sich in verschiedenen Medien mündlich und schriftlich auszudrücken, mangelt es auch nicht an Schreibanlässen. Diese sind nicht von einem Lehrbuch, also von außen aufoktroyiert, sondern kommen aus der Erlebniswelt der Kinder. Schreiben ist ihnen ein Bedürfnis, eine Möglichkeit, sich mitzuteilen und/oder eine Möglichkeit nach innen zu schauen. Getextetes kann für die Öffentlichkeit bestimmt sein, dann sollten wir die Kinder ermutigen, ihre Texte auch vorzutragen; Texte der Kinder können aber auf Wunsch der Kinder auch privat bleiben.

Obwohl wir als Freinet LehrerInnen auf Seminaren, Ostertreffen etc. in Ateliers schon oft mit anregenden Techniken zur Inspiration und zur Kreativität getrieben worden sind – siehe die zahlreichen Zeitungen, die gefüllt sind mit Texten, Gedichten und Berichten, haben wir es genossen am letzten Stammtisch Mietze Medusa zu erleben.

Es ist – manchmal glaubt man es vorher einfach nicht – wirklich ein Erlebnis zu spüren, wie viele Wörter, Reime, Sätze und deren Kombination in einem/r Texter/in drinnen stecken.

von Inge