„Empowerment“ und Möglichkeiten zur Teilhabe an Unterricht und gesellschaftlichem Leben für Kinder aus „bildungsfernen Schichten“

Einladung zum Stammtisch

der Freinet Gruppe Wien

am Donnerstag, 12. Februar 2015, um 19.00

im Amerlinghaus, 1070 Stiftgasse 8

als referierender Gast und Mitdiskutant ist Michael Sertl(Soziologe, Professor an der Uni Wien) eingeladen

Empowerment“ und Möglichkeiten zur Teilhabe an Unterricht und gesellschaftlichem Leben für Kinder aus „bildungsfernen Schichten“

– Und was wir als Freinet-PädagogInnen dafür tun können

Im Unterschied zu anderen reformpädagogischen Strömungen richten Freinet-PädagogInnen ihre Blicke und ihr pädagogisches Streben nicht allein auf die zu fördernden Individuen, die einzelnen Kinder, die Gruppe und ihre Entwicklung als Kooperative und daher die soziale Interaktionen der einzelnen und ihr Zusammenspiel liegen stark im Zentrum.

Die Freinet-Bewegung nimmt gesellschaftliche und politische Entwicklungen wahr, und richtet ihren Blick auch nach außen, positioniert sich und agiert entsprechend nicht nur im innerschulischen Rahmen. In diesem Sinne ist auch die „Ecole moderne“ eine „Schule für das Volk“ und gerade Kinder, die aufgrund ihrer Herkunft mit schlechten Bildungschancen ausgestattet sind, sind uns ein besonderes Anliegen.

Wir haben im Rahmen des Stammtisches schon öfters darüber diskutiert, dass sog. „Offener Unterricht“ oder „neue Lernformen“, wie sie in vielen Klassen betrieben werden, in erster Linie ohnehin relativ privilegierte Kinder aus der „Mittelschicht“ ansprechen und fördern, während Kinder aus „bildungsfernen Schichten“ oder Arbeiterfamilien, übergangen und benachteiligt werden, u.a. weil für sie oft nicht klar ist, was von ihnen überhaupt gewollt wird.

Aber nicht nur „Reformpädagogiken“ sind es ja, die Arbeiterkinder nicht dazu hinführen, (eben für Mittelschichts- und Akademikerkinder formulierte) Lernziele zu erreichen (oder die gewünschten „Kompetenzen“ zu entwickeln). Umgekehrt ist die Institution Schule insgesamt ein Ort der Selektion und Reproduktion gesellschaftlicher Ungleichheiten und erwartet gleichzeitig von den Kindern (und von den Lehrerinnen ebenso) Anpassung an ein „ideales, individuelles, pädagogisches Subjekt“.

Wir fragen daher, wie Kinder, die gesellschaftlich benachteiligt sind, dabei unterstützt werden können, am Unterricht, und an der Gesellschaft teilzuhaben, wie wir dazu beitragen können, dass sie selber sich als soziale Subjekte einbringen – nicht im Sinne einer Defizitpädagogik, sondern des Schaffens von Möglichkeiten und Räumen auch für solche Kinder, die andere Erfahrungen, Zugangsweisen und Bedürfnisse haben als jene „idealen“ aus der Mittelschicht.

Einige Ansatzpunkte im Sinne einer „radikalen und sichtbaren Pädagogik“ wären:

– Entwickeln einer eindeutigen Sprache im Unterricht

– Offenlegung der Lernziele – verständlich für alle

– Klarlegung von Strukturen: Offenlegung sozialer Strukturen (in der Klasse, in der Gesellschaft)

statt so zu tun, als wären alle „gleichberechtigt“.

– Offenlegung von bestehenden Macht-Mechanismen und Hierarchien für die Kinder

statt Verschleierung durch angeblich demokratische Institutionen (– was keine Abschaffung des Klassenrates bedeutet, aber ein bewusstes und transparentes Einsetzen solcher Institutionen)

Ein mögliches Ziel der Diskussion wäre, einen Leitfaden oder Katalog für unseren Unterricht zu entwickeln.

Geplant ist ein Impulsreferat mit kurzen Thesen von Michael Sertl, eventuell eine Stellungnahme der Freinet-Gruppe und danach eine konstruktive, praxisorientierte Diskussion.

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