Manifest gegen den Qualitäts-Abbau in der öffentlichen Erziehung durch den weltweiten Neoliberalismus

Die TeilnehmerInnen der letzten Evaluations-Sitzung der FIMEM verabschiedeten einstimmig folgende Erklärung, die von allen teilnehmenden Bewegungen der FIMEM unterstützt wurde. Ähnliche Erklärungen – bezogen auf die Verschlechterungen in ihren eigenen Schulsystemen – sollen an die Regierungen ihrer Länder geschickt und in ihren Diskussionsforen und Kommunikationsnetzen verbreitet werden:

« Die 400 Personen, die in der Internationalen Begegnung der Freinet-PädagogInnen (RIDEF) in der Stadt León vom 23.7. bis zum 1.8. 2012 versammelt waren und die aus über 30 Ländern kamen, möchten gegenüber den Verantwortlichen in Erziehung,  Politik und im öffentlichen Leben  öffentlich protestieren gegen den brutalen Wandel des Erziehungssystems in Spanien, nicht nur in ökonomischer, sondern auch in ideologischer Hinsicht :

  • ·die fortgesetzten Streichungen im Erziehungsbudget
  • ·die Reduzierung der Anzahl der LehrerInnen-Stellen
  • ·die Erhöhung der Stundenzahlen und der SchülerInnenzahlen pro Klassenrat
  • ·die Erhebung von Studiengebühren an den Universitäten und die Einführung selektiver Hürden auf allen Stufen des Erziehungssystems
  • ·die Rückkehr zur veralteten Pauk-Pädagogik, bei der die Kenntnisse durch Prügel verankert wurden

All diese Maßnahmen geschehen nicht  ‚zufällig‘ oder sind nicht harmlos, sondern haben zum Ziel, die Qualität der öffentlich finanzierten  Erziehung herabzusetzen. Dies geschieht übrigens in vielen Ländern, die sich der neoliberalen Doktrin verschrieben haben. Dadurch soll eine große Anzahl Menschen am Zugang zur Bildung gehindert werden, die Chancengleichheit aufgehoben und die Privatisierung eines allgemeinen öffentlichen Sektors wie der Erziehung vorangetrieben werden.

Dies geschieht im Partikular- Interesse der privilegierten Gesellschaftsschichten, also im Interesse einer Minderheit gegenüber der  Mehrheit der Bevölkerung.

Mit offenen Erziehungsmethoden, wie sie die FIMEM vertritt und viele andere Pädagoginnen und Pädagogen in allen Ländern, können wir eine motivierende Erziehung zur Arbeit von den ersten Schuljahren an verwirklichen. Dazu gehören

  • ·die Arbeit in Projekten und die kritische Untersuchung der Umwelt, um das Bewusstsein und die Verantwortung für die Gesellschaft zu fördern, in der wir leben
  • ·die lebendige Mathematik
  • ·die freien Texte
  • ·die Klassenzeitung und
  • ·die Klassenkorrespondenz
  • ·die kooperative Arbeit und die Arbeit in Ateliers
  • ·die Selbstbestimmung der Schüler und Schülerinnen, indem man ihnen in Klassenversammlungen das Wort gibt
  • ·die Öffnung der Schule zur Umwelt und für die Beteiligung der Familien
  • ·die Einmischung in die Politik unserer Gemeinwesen und die Schaffung von

‚Erziehungsgemeinschaften ‚

So stärkt man den Wunsch, Wissen zu erwerben, Wissen mit anderen zu teilen, verantwortliche und bewusste  Staatsbürger und Staatsbürgerinnen zu werden, die engagiert und solidarisch handeln auf einem Planeten, dessen Ressourcen begrenzt sind, was zum Teilen verpflichtet.

Unser Ziel ist die Chancengleichheit, die optimale Entfaltung jeder einzelnen Person, mit ihren Einschränkungen und  Qualitäten. Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler dazu erziehen, Persönlichkeiten und WeltbürgerInnen zu werden.

Um dies zu erreichen, richten wir diesen dringenden Aufruf an alle Mütter und Väter, an die SchülerInnenschaft und LehrerInnenschaft und an die engagierte Öffentlichkeit allgemein, dass sie sich aktiv und solidarisch einbringen, um uns den Machenschaften der Verschlechterung des öffentlichen Schulsystems gemeinsam entgegenzustellen und die Qualität des  öffentlichen Schulsystems für jede Schülerin und jeden Schüler zu verteidigen.

Gemeinsam können wir es schaffen !

León, den 31. Juli 2012

(Übersetzung : Ingrid Dietrich)

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